Zweiheimisch
Bikulturell leben in Deutschland
Kurz - Info
Was es bedeutet, in Deutschland in zwei Kulturen aufzuwachsen - Zwölf Porträts Nehmen wir Sarra. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater stammt aus Tunesien, wo auch Sarra aufgewachsen ist. Oder Steven. Seine Eltern sind als Boat people aus Vietnam geflohen. Oder Mehmet, dessen Familie aus der Türkei kommt. Drei junge Erwachsene dreimal bikulturelles Leben in Deutschland. Was es bedeutet, hierzulande mit ghanaischen, kurdischen, russlanddeutschen oder auch kubanischen Wurzeln aufzuwachsen, erzähltdieses Buch. In zwölf Porträts begegnen wir jungen Menschen, die das Pendeln zwischen den Kulturen erfolgreich meistern: Mehrsprachig, vertraut mit den Werten unterschiedlicher Lebenswelten und den daraus entstehenden Spannungen und Brüchen, gestalten sie ihren Alltag mithoher sozialer und kultureller Kompetenz. Sarra forscht nach ihrem Studium in Heidelberg nun in Paris über die Identität von Mädchen aus den Magreb-Ländern. Steven arbeitet in Hamburg hart an einer professionellen Fußballkarriere und Mehmet engagiert sich in seiner Schule im pfälzischen Grünstadt als Ko nfliktmediator. Die sehr persönlich erzählten Lebensgeschichten und Reportagen machen Mut. Sie widerlegen allzu beliebte Vorurteile und verweisen auf die ungenutzten Chancen einer Einwanderungsgesellschaft.
»zweiheimisch« fühlen sich Menschen, die mit zwei Kulturen leben. Als Kinder eingewanderter Familien oder binationaler Eltern sind sie in Deutschland aufgewachsen. Zwölf Porträts zeigen, wie sie ihre Lebensentwürfe zwischen familiären Traditionen und gesellschaftlichen Vorurteilen gestalten.
»zweiheimisch« stellt junge Erwachsene vor, die gelernt haben, sich zwischen den Kulturen zu bewegen und diese Erfahrung als Bereicherung zu begreifen. Sie sind in die deutsche Mehrheitsgesellschaft integriert, vergessen darüber aber nicht ihre Wurzeln und nutzen die Chance, die in der genauen Kenntnis einer anderen Kultur liegt.
Wie Oliver Sanchez, dessen Mutter zu DDR-Zeiten gegen politische Widerstände einen Kubaner heiratete und der sich selbst als »Weltmensch« begreift. Wie Nazli Mahjoubi, deren Eltern aus dem Iran flüchteten und die selbstbewusst sagen kann: »Ost und West: Ich bin eben beides.« Oder wie Steven Vo, der vietnamesische Wurzeln hat und Fußball für die deutsche Jugendnationalmannschaft spielt.
Es berührt und begeistert, mit wie viel Energie und Mut sie ihren eigenen Weg verfolgen. Die zwölf Porträts dieses Buches zeigen ein weithin unentdecktes Potenzial unserer Gesellschaft. Von der Stärke und Kreativität dieser jungen Menschen lässt sich viel lernen.
Drei Journalisten haben diese Geschichten aufgeschrieben. »zweiheimisch« zu sein charakterisiert auch ihren Lebensweg: Vito Avantarios Eltern kamen aus Italien, Ferdos Forudastans Vater stammt aus Iran und Mely Kiyak ist Tochter kurdischer Einwanderer. Vielleicht ist das die größte Herausforderung an die Leser: sich von Biografien bezaubern zu lassen, die eben nicht die vorherrschende Sichtweise von »hier: Wir« und »da: die Anderen« bestätigen; die für das Stigma »Problemgruppe « kein Material liefern, die in keine der üblichen Schubladen passen.
Zweiheimisch. Bikulturell leben in Deutschland
von Cornelia Spohn
Erscheinungsdatum: Oktober 2006
Broschiert: 194 Seiten
Verlag: Edition Körber Stiftung
ISBN: 3896840630
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07.11.06
von ses